Erster Exklusivbericht vom Vierten Weltkongress der International Positive Psychology Association in Florida!

Was könnte passender sein, als unseren ersten richtigen Blogeintrag dem Vierten Weltkongress der International Positive Psychology Association zu widmen!

Der Kongress fand von 25.-28.06 in Lake Buena Vista – Florida statt und war an Programmvielfalt kaum zu überbieten und bot laufend neue Überraschungen. In seinem fulminanten Vortrag ließ Martin Seligman die Menge aufhorchen, als er das von ihm und Steven F. Maierentdeckte Phänomen der Erlernten Hilflosigkeit in Zweifel zog. Nach seinen neuesten Erkenntnissen sei Hilflosigkeit ein grundlegender Bestandteil des Verhaltensinventars von Säugetieren, aber keineswegs erlernt! Neure Forschung zeige, dass Hilflosigkeit und das dazugehörige Verhalten immer dann aussetze, wenn der präfrontale Kortex mit auf die Zukunft gerichteten Aktivitäten beschäftigt sei. Die Hilflosigkeit auslösenden Gehirnregionen seien während derartiger Aktivitäten blockiert, während diese umgekehrt während des Empfindens von Hilflosigkeit den präfrontalen Kortex blockieren würden. Wenn sich diese Erkenntnis als richtig erweist, wäre dies ein Paradigmenwechsel in der Bekämpfung von Depression! Man darf gespannt bleiben!

Spannend ging es weiter beim Vortrag von Richard Davidson. Der Neurobiologe präsentierte bestechende Beispiele für die neurologische Fundiertheit von Well Being. Für diese seien vier Schlüsseldomänen verantwortlich: Resilienz, Weitsichtigkeit, Aufmerksamkeit und das angeborene Gute (‚innate good‘). Das Programm war weiterhin durchsetzt von überwältigenden Beiträgen aus dem klinischen Bereich.

Besonders aufschlussreich war außerdem eine Diskussion über die politische Dimension der Positiven Psychologie. Vor allem Positive Leadership sei aus heutiger Sicht aus Unternehmen und der politischen Sphäre nicht mehr wegzudenken und Jonathan Haidt, Sozialpsychologe an der Stern School of Buisness der Universität New York und Moralforscher, ist gar der Überzeugung, die Positive Psychologie habe das Zeug dazu, den Kapitalismus grundlegend zu verändern!

Auch Barbara Fredrickson ließ es sich nicht nehmen, die Menge mit einem Vortrag über ihre Upward Spiral-Theorie zu begeistern. Konkret konnte Dr. Fredrickson zeigen, dass Personen mit einem höheren Tonus des Nervus vagus, der stark an der Emotionsregulation beteiligt ist, ihre Emotionen besser unter Kontrolle haben und sich deshalb leichter in eine positive Stimmung versetzen können. Dies wiederum wirkt sich stärkend auf die positiven Beziehungen der Person aus, welche im Gegenzug den Tonus des Nervus vagus weiter erhöhen. Eine perfekte Aufwärtsspirale also!

Corey Keys, jener Herr, der als erster den Ausdruck „Flourishing“ geprägt hatte, postulierte in seinem waghalsigen Vortrag, dass es keinen Sinn habe, Krankheit zu heilen, sondern dass es stattdessen nur etwas bringe, Gesundheit zu fördern. Passend dazu erläuterte Tom Rath, Psychologe und Gesundheitsexperte, genau den Weg dazu. Bereits kleine Veränderungen in der Art wie wir essen, uns bewegen und wie wir schlafen können zu einem bemerkenswerten Wandel führen!

Zu guter Letzt wollen wir Ihnen noch von Rollin McCraty erzählen, der in seinem Vortrag seinen auf das Herz fokussierten Ansatz zur Resilienzsteigerung erläuterte. Im Speziellen erklärte Dr. McCraty, wie der Herzrhythmus emotionale Erfahrung und kognitives Funktionieren beeinflusst. Die Herzfrequenzvariabilität wiederum kann seiner Ansicht nach als Index gesehen und dazu genutzt werden, die Emotionsregulation und auch die kognitive Funktionalität zu steigern! Wirklich beeindruckende Forschung auf Weltniveau. Die Zukunft hält Faszinierendes für uns bereit!

Hier ein paar Impressionen:

Martin Seligman erläuterte seine neusten Erkenntnisse bzgl. erlernter Hilflosigkeit…P1130339

 …und die Menge horchte gespannt!P1130335
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Unser guter freund Willi Ruch wurde zum IPPA-Fellow gekürt. Wir gratulieren!FullSizeRender (00000002)

Auch Kim Cameron, der schon am 3. Kongress Denk- und Handlungsräume der Psychologie in Graz vertreten war, war mit von der Partie!P1130315

Und auch Carol Ryff, die weltbekannte Expertin für Well Being, gab sich die Ehre!P1130569

Ein Gedanke zu “Erster Exklusivbericht vom Vierten Weltkongress der International Positive Psychology Association in Florida!

  1. Einen schönen guten Tag wünsche ich!
    Hochinteressant, was ich da gerade gelesen habe,
    das wäre eine Erklärung, warum ich mich selbst in den schlimmsten Momenten meines Lebens nie so hilflos gefühlt, oder lange hilflos gefühlt habe, wie andere Menschen in meinem Umfeld, die oftmals lange verzweifelt und handlungsunfähig waren.
    Ich würde zwar nicht sagen, dass ich meine Emotionen immer gut unter Kontrolle hatte, aber ich habe mich nie „unterkriegen“ lassen.
    Es gibt einige Menschen, die meinen, ich hätte immer Glück, ich sei ein Glückspilz und mir geht´s eigentlich immer gut. Dabei stimmt das so gar nicht.
    Was aber stimmt ist, dass ich mich nicht auf das Negative in meinem Leben fokussiere, nicht länger als nötig zumindest. Sobald ich die Situation erfasst habe, suche und finde ich „automatisch“ einen Weg, der …. ja kann man sagen…. in die Zukunft führt. Ich bin tatsächlich zukunftsorientiert, von Natur sozusagen.
    Ich konzentriere mich auch nie lange auf meine „Krankheiten“ selbst wenn ich welche habe, erlaube ich ihnen nicht, gänzlich von mir Besitz zu ergreifen. Ich sage mir immer gleich, das geht vorbei, bin zukunftsorientiert, vertraue meinem Körper, dass er sich selbst heilt und bin deshalb auch (bis auf ab und zu Schnupfen oder Halsweh) meistens gleich wieder gesund.
    Als Kind, daran erinnere ich mich noch gut, tröstete ich mich immer mit dem Satz: „das geht vorbei“. Früh war mir klar, man kann drüber schlafen, am nächsten Tag ist alles nur noch halb so schlimm und „die Zeit heilt alle Wunden“, vielleicht nicht wirklich alle, aber die Erinnerung daran wird schwächer.
    Und irgendwie ist es auch so, ich bin jetzt 51 Jahre alt und bin erstmals drauf gekommen, dass ich mich an etwas vor über 25 Jahren, nicht richtig erinnere, ich habe zwei Begebenheiten miteinander vermischt, unabsichtlich habe ich so etwas falsches erzählt. Im Nachhinein bin ich drauf gekommen, dass das nicht stimmen konnte. Das wird vielleicht der Grund sein, warum man glaubt, dass die Zeit die Wunden heilt, weil man sich irgendwann nicht mehr richtig erinnern kann, falls man es nicht notiert hat und sich immer wieder vorsagt. Aber das würde ich nie tun, dazu bin ich zu sehr mit dem Jetzt und der unmittelbaren Zukunft beschäftigt.
    Jedenfalls bin ich begeistert, was ich da in Ihrem Blog gelesen habe und bin gespannt, was da noch alles entdeckt werden wird.
    Ich freue mich schon jetzt, noch mehr zu erfahren und verbleibe inzwischen
    mit freundlichen Grüßen Ihre
    Wilma Steinkellner

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